KVV Wintersemester 2026/27
Vorlesungsverzeichnis, WiSe 2026/2027
Institut für Assyriologie und Hethitologie
Schellingstraße 5, 3. Stock
Postanschrift: Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539
Telefon: 089/2180 3287
E-Mail: Inst.Assyr@lrz.uni-muenchen.de
Homepage: http://www.assyriologie.lmu.de
Studienberatung und Studiengangskoordination:
Dr. Geraldina Rozzi
Institut für Assyriologie und Hethitologie, Raum 210, Mi. 14–16 Uhr
Tel. 089/2180 1864, E-Mail: ---
Dr. des. Felix Rauchhaus
Institut für Assyriologie und Hethitologie, Raum 310, Di. 15–16 Uhr
Tel. 089/2180 5676, E-Mail: Felix.Rauchhaus@assyr.fak12.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Walther Sallaberger
Institut für Assyriologie und Hethitologie, Raum 309, auf persönliche Anfrage
Tel. 089/2180 3553, E-Mail: WaSa@lmu.de
Hinweise:
- Für das Institut für Assyriologie gilt: Ausstehende Scheine für das Wintersemester 2026/27 können ausnahmslos nur bis 15. März 2027 beantragt werden (Abgabe von Prüfungsarbeiten).
- Alle Studierenden können sich Veranstaltungen des Studienganges „Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens“ auf Schein anrechnen lassen, sofern die jeweiligen Veranstaltungen zum BA „Alter Orient“ und zum Master „Altorientalistik“ passen.
- Masterstudierende können sich zusätzlich Veranstaltungen aus den Studiengängen „Vorderasiatische Archäologie“ und „Gemeinsamer Geistes- und Sozialwissenschaftlicher Profilbereich“ auf Schein anrechnen lassen, sofern die jeweiligen Veranstaltungen inhaltlich zum Master „Altorientalistik“ passen.
- Darüber hinaus können weitere geeignete Lehrveranstaltungen aus dem Lehrangebot der LMU belegt werden.
- Angebote finden sich hier:
- Studiengang „Vorderasiatische Archäologie“ in LSF:
Fakultät für Kulturwissenschaften → Master Vorderasiatische Archäologie - Studiengang „Alte Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens“ der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften in LSF unter:
Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften → Historisches Seminar → I Bachelorstudiengänge Geschichte - Studiengang „Gemeinsamer Geistes- und Sozialwissenschaftlicher Profilbereich“ der Fakultät für Kulturwissenschaften in LSF unter:
Fakultät für Kulturwissenschaften → Profilbereich (Master) - oder
- Vorlesungsverzeichnis → Fakultätsübergreifende Veranstaltungen → Gemeinsamer Geistes- und Sozialwissenschaftlicher Profilbereich
Vor Teilnahme an den Lehrveranstaltungen aus diesen und anderen Studiengängen ist stets eine Rücksprache mit den Studiengangskoordinatoren erforderlich!
Vorlesungen, Kolloquium
Geschichte des Alten Orients: Anatolien, Syrien, Levante
Jared Miller
2-stg., Mo. 12–14, Hauptgebäude, M 010
BA Alter Orient: P 2.1, WP 2.1, WP 7.1
MA Altorientalistik: P 1.1, WP 1.1, P 5.2
Diese Vorlesung bietet einen knappen, aktuellen Überblick über die Geschichte Anatoliens, Syriens und der Levante in all ihren Aspekten von der Schrifteinführung Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. in Syrien bis ins erste Jahrtausend, in dem die klassischen griechischen Quellen vorzuherrschen beginnen.
Einführung in die Vorderasiatische Archäologie
Adelheid Otto
3-stg., Mi. 9–12, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: P 3.1–2
In diesem Kurs werden die Grundzüge der Kulturentwicklung in Vorderasien von 10.000 – 300 v. Chr. vermittelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Mesopotamien und den benachbarten Kulturen. Ziel der Veranstaltung ist es, solide Grundkenntnisse auf dem gesamten Gebiet der Vorderasiatischen Archäologie zu vermitteln. Dies geschieht zunächst in Form eines chronologischen Überblicks, dann in thematischen Blöcken zu Siedlungswesen, Göttern, Sprachen und Ethnien, Bauwerkstypen, Bildkunst, Keramik, Forschungsgeschichte, Chronologie u. a. m. Am Ende des Einführungskurses wird der Lernerfolg in einer Klausur geprüft, darüber hinaus wird aktive Mitarbeit in den Stunden erwartet.
Teilnahmevoraussetzung: Der Kurs ist primär für BA-Anfänger gedacht, eignet sich aber auch zur Vertiefung für MA-Studierende und fachfremde Fortgeschrittene.
Die Entstehung der Hochkulturen: Das 3. Jahrtausend v. Chr. in Vorderasien
Adelheid Otto
2-stg., Mo 16-18, Hauptgebäude, M 105
BA Alter Orient: WP 3.1, WP 8.1
MA Altorientalistik: P 1.1, P 5.2, WP 1.1, WP 8.1, WP 11.1
Die Vorlesung vermittelt die Grundlagen der Archäologie und Kulturgeschichte Vorderasiens im dritten Jahrtausend, die Zeit der frühdynastischen Periode, des akkadischen Reichs und der Ur-III-Periode. Das Material wird nach inhaltlichen Gesichtspunkten gegliedert diskutiert, sodass Einblicke in Landwirtschaft, Handel, Handwerk und städtisches Leben gewonnen werden. Ferner werden Wirtschaft und Gesellschaft ebenso thematisiert wie der Umgang mit den zahlreichen Gottheiten, Festtage und Feiern sowie Kunst und Kultur.
Kolloquium zum Alten Orient
Jared Miller, Adelheid Otto, Walther Sallaberger
2-stg., Di. 18–20, Hauptgebäude, A 119
MA Altorientalistik: P 1.2, P 5.1, P 5.3
Das Kolloquium wird gemeinsam von den Instituten für Assyriologie und Hethitologie und für Vorderasiatische Archäologie wöchentlich veranstaltet. Dabei werden aktuelle Forschungsarbeiten vorgestellt und diskutiert. Der Kreis der Vortragenden wird bewusst offengehalten und soll die Lehrenden der Institute mit ihren aktuellen Forschungsarbeiten, Studierende mit ihren Qualifikationsarbeiten, Mitarbeitende in Projekten, Gastwissenschaftler*innen, Vertreter*innen von Nachbarfächern oder Wissenschaftler*innen ohne institutionelle Anbindung umfassen. Zusätzlich wird zu Gastvorträgen eingeladen.
Aktuelle Ankündigungen werden an den Instituten ausgehängt und verteilt.
Sprachkurse
Akkadisch I
Geraldina Rozzi
4-stg., Di. 12–14, Schellingstr. 5, 204; Do. 12–14, Schellingstr. 9, 116
BA Alter Orient: P 1.1
Da das Studium der altorientalischen Philologie auf der Arbeit mit und am Text beruht, sind zum Einstieg die sprachlichen Grundlagen zu erwerben. Das Modul führt in das Akkadische ein und soll die Grundkenntnisse der Grammatik dieser Sprache in ihrer altbabylonischen Stufe vermitteln. Darüber hinaus erfolgen erste Schritte zum Erlernen der Keilschrift, auch ein Grundwortschatz wird angeeignet.
Teilnahmevoraussetzung: Der Kurs steht allen Interessierten offen, besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Semesterunterlagen werden zu Beginn des Semesters bereitgestellt.
Sumerisch I
Felix Rauchhaus, Walther Sallaberger
4-stg., Mi. 12–14, Edmund-Rumpler-Strasse 13, B 103; Fr. 12–14, Schellingstr. 7, 004
BA Alter Orient: WP 1.1
MA Altorientalistik: WP 4.1
In einem zweisemestrigen Kurs werden Grundzüge des Sumerischen behandelt. Das Sumerische ist die wichtigste in Keilschrift überlieferte Sprache Mesopotamiens im dritten Jahrtausend, die anschließend bis zum Ende der Keilschriftkultur um die Zeitenwende tradiert wurde. Die Einführung in die Grammatik dieser Ergativ-Sprache, für die bisher noch keine Verwandtschaft zu einer anderen Sprache festgestellt werden konnte, orientiert sich am Befund für das Neusumerische (etwa 2150–1900 v. Chr.). Aus diesem Zeitraum stammen auch die im Laufe des ersten Jahres zu erarbeitenden Texte.
Teilnahmevoraussetzung: Der Kurs steht allen Interessierten offen, besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Manuskript für die Einführung wird zu Beginn des Semesters bereitgestellt.
Hethitisch I
Jared Miller
4-stg., Di. 14–16, Schellingstr. 7, 004; Do. 14–16, Schellingstr. 3, 227
BA Alter Orient: WP 6.1
MA Altorientalistik: WP 5.1
Das Hethitische ist die älteste verschriftete indoeuropäische Sprache und zugleich eine der drei Großkorpussprachen des Alten Orients, die in keilschriftlicher Überlieferung vorliegen. Zwischen dem 16. und 13. Jh. v. Chr. verfasst, bietet das hethitische Schrifttum eine überreiche Fülle an kulturhistorischer Information, die das aus dem sumerisch-babylonisch-assyrisch-kanaanäischen Quellenmaterial gewonnene Gesamtbild des vorchristlichen Vorderasiens in wünschenswerter, oftmals überraschend detaillierter Weise ergänzt. Ziel der Übung ist die Vermittlung der grammatischen und keilschriftlichen Grundlagen, welche die Lektüre leichter Originaltexte ermöglichen.
Teilnahmevoraussetzung: Der Kurs steht allen Interessierten offen, besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Literatur:
- Harry A. Hoffner/H. Craig Melchert, A Grammar of the Hittite Language. Eisenbrauns. Winona Lake, Indiana 2008.
- Elisabeth Rieken, Hethitisch, in M. Streck (Hrsg.) Sprachen des Alten Orients (4. Auflage). Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 2021, 103–157.
Übungen und Seminäre
Historisches Seminar: Essen und Trinken im Frühen Mesopotamien
Adelheid Otto, Walther Sallaberger
2-stg., Mi. 16–18, Schellingstr. 12, K 427
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: P 2.1–2, P 6.1–2
Essen und Trinken prägen Kulturen und unsere Erfahrung mit fremden Welten, und über den Verzehr und Genuss hinaus betrifft das die Zubereitung ebenso wie Tischsitten. Doch was aß und trank man eigentlich in Mesopotamien? Wie wurden Nahrungsmittel gespeichert, wie gekocht, gebraten, gebacken, gebraut? Können wir erschließen, wann und wie man aß und trank, welche Geräte man benutzte? Wie spiegeln sich unterschiedliche Anlässe und Hierarchien in den Mahlzeiten? Wie zeigen sich Essen und Trinken im Kult, wie in Bildern und poetischen Texten?
Wir behandeln das Thema für Mesopotamien (von Sumer bis Obermesopotamien) und das angrenzende Innersyrien (mit Ebla oder Mari) in der Frühen und Mittleren Bronzezeit (3000–1600 v. Chr.). Unter den archäologischen Zeugnissen denkt man nicht nur an die Keramik-Inventare in ihrem historischen Wandel, sondern auch an Feuerstellen, Vorratsräume, Kochwerkzeuge. Eine ganz andere Perspektive bietet die Bildwelt, insbesondere die der Rollsiegel. Unter den keilschriftlichen Texten vermerken die administrativen Urkunden detailliert Arten und Mengen an Lebensmitteln und Geräten, zudem entnehmen wir lexikalischen Listen und literarischen Texten kostbare Hinweise. Selbstverständlich werden wir auch Befunde der Archäobotanik und -zoologie einbeziehen.
Ein besonderer Reiz des Seminars besteht darin, auf der Grundlage an sich gut bekannter Daten (wie Keramik, Siegelbildern, Urkunden oder Listen) Praktiken von Essen und Trinken zu rekonstruieren. Dabei reicht der Bogen von der Zubereitung und Speicherung von Lebensmitteln über das Vorbereiten der Speisen bis zu den Mahlzeiten.
Tafelübung: Methodische Grundlagen der archäologischen Fächer I (Typologie, Chronologie, Karten)
Franz-Alto Bauer / Julius Fagner / Kristina Junker / Kai Kaniuth / Ken Massy
2.-stg., Mo. 8-10, Hauptgebäude, M 114
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 12.1, WP 13.1
Im Rahmen dieser Lehrveranstaltungen werden die grundlegenden Methoden der verschiedenen archäologischen Fachrichtungen, z.B. Typologie, Chronologie und Kartierungen, vorgestellt und anhand von Beispielen erläutert.
Die Tafelübung kann nur zusammen mit der zweiten Tafelübung „Methodische Grundlagen der archäologischen Fächer II (Stil- und Bildanalysen)“ eingebracht werden.
Die erste Sitzung der beiden Tafelübungen „Methodische Grundlagen der archäologischen Fächer I und II“ findet am 12.10. um 10 Uhr s.t. statt.
Tafelübung: Methodische Grundlagen der archäologischen Fächer II (Stil- und Bildanalysen)
Franz-Alto Bauer / Julius Fagner / Kristina Junker / Kai Kaniuth / Corinna Mairhanser / Ken Massy
2.-stg., Mo. 10-12, Hauptgebäude, M 114
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 12.1, WP 13.1
Im Fokus dieser Lehrveranstaltungen stehen Fragen der Stilanalyse sowie des Verständnisses von Bildwerken aller beteiligten archäologischen Fachrichtungen. Diese werden anhand von Beispielen erläutert.
Die Tafelübung kann nur zusammen mit der ersten Tafelübung „Methodische Grundlagen der archäologischen Fächer I (Typologie, Chronologie, Karten)“ eingebracht werden.
Übung: Formulieren, Vortragen und Präsentieren
Kristina Junker / Kai Kaniuth / Ken Massy
2,-stg., Fr. 10-12, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 12.1, WP 13.1
Die Übung richtet sich an Studienanfänger im 1. (oder 3.) Semester des Bachelorstudiengangs "Archäologie" und "Antike und Orient" und kann nur in Kombination mit der Übung "Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens" belegt werden. Es werden die grundlegenden Techniken eingeübt, die für ein erfolgreiches Studium wichtig sind:
- Literaturrecherchen
- Korrektes Zitieren
- Vortrags- und Präsentationstechniken
- Verfassen von schriftlichen Arbeiten
Von der Scherbe zur Publikation – Einführung in das analoge und digitale Umzeichnen von Keramik
Georg Neumann
2,-stg., Di. 16-18, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 12.1, WP 13.1
Die zeichnerische Dokumentation keramischer Funde gehört zu den grundlegenden Methoden archäologischer Forschung und Publikation. Der Kurs vermittelt den gesamten Arbeitsablauf von der Aufnahme einzelner Scherben bis zur Erstellung publizierbarer Keramikzeichnungen. In den einzelnen Sitzungen werden Keramikfunde unterschiedlicher Epochen und Kulturräume bearbeitet, sodass die Teilnehmenden zugleich einen Einblick in die Vielfalt dieser Fundgattung erhalten.
Behandelt werden die Vermessung und Beschreibung von Keramik, die Erstellung von Profilzeichnungen, die Rekonstruktion von Gefäßformen sowie die Anwendung archäologischer Zeichenkonventionen. Neben klassischen Zeichenmethoden kommen auch digitale Dokumentationstechniken zum Einsatz. Hierzu gehören die Arbeit mit einem Laser-Aided Profiler (LAP) zur präzisen Erfassung keramischer Profile sowie die digitale Umzeichnung und Reinzeichnung in Adobe Illustrator. Begleitend werden grundlegende Aspekte der Keramikanalyse behandelt, darunter Herstellungstechniken, Magerung, Oberflächenbehandlung, Brandbedingungen und ihre Bedeutung für die archäologische Interpretation. Ziel des Kurses ist die Vermittlung praxisnaher Kompetenzen für Fundbearbeitung, Feldforschung und wissenschaftliche Publikationen.
Der Iran um 3000 v. Chr. – Die Archäologie der Proto-Elamischen Zeit
Georg Neumann
2,-stg., Do. 10-12, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: WP 3.2, WP 8.2
MA Altorientalistik: WP 3.1, P 7.2, WP 13.1
Die Zeit um 3000 v. Chr. markiert eine entscheidende Umbruchphase in der Geschichte des heutigen Iran. Ausgehend von den Entwicklungen in Susa und der proto-elamischen Kultur behandelt die Lehrveranstaltung die Entstehung komplexer Gesellschaften, früher Verwaltungsformen und der proto-elamischen Schrift. Gleichzeitig werden die unterschiedlichen regionalen Entwicklungen des iranischen Raumes betrachtet. Neben der Susiana, dem späteren Elam, stehen daher auch andere Fundorte wie Tall-e Malyan (Anšan), Tepe Ozbaki, Shahr-i Sokhta und weitere Zentren des Hochlands im Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk gilt den Austauschbeziehungen zwischen Mesopotamien, Susiana, dem zentraliranischen Hochland und den östlichen Randzonen. Ziel des Kurses ist es, die Vielfalt regionaler Entwicklungen im Iran um 3000 v. Chr. sowie ihre Einbindung in überregionale Netzwerke zu verstehen.
Die Indus-Kultur im 3. Jt. v. Chr. – Städte, Dörfer und regionale Entwicklungen
Georg Neumann
2,-stg., Di. 14-16, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: WP 3.2, WP 8.2
MA Altorientalistik: WP 3.1, P 7.2, WP 13.1
Die Indus-Kultur zählt zu den frühesten urbanen Zivilisationen der Alten Welt. Die Lehrveranstaltung behandelt ihre Entwicklung von den frühharappenischen Ursprüngen bis zu den regionalen Ausprägungen nach dem Ende der urbanen Zentren. Im Mittelpunkt stehen die großen Städte Mohenjo-Daro und Harappa, deren Architektur, Wirtschaft und materielle Kultur vorgestellt werden. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Vielfalt regionaler Entwicklungen innerhalb des Indusraums. Behandelt werden die urbanen Zentren Pakistans ebenso wie die Siedlungslandschaften in Gujarat, Haryana und Rajasthan, die unterschiedliche Wege gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung innerhalb der Indus-Kultur erkennen lassen. Darüber hinaus werden Fernkontakte nach Iran, Zentralasien und Mesopotamien sowie aktuelle Forschungsfragen zu Schrift, Gesellschaft und dem Wandel der Indus-Kultur diskutiert. Ziel der Veranstaltung ist es, die Indus-Kultur nicht nur als Geschichte einzelner Metropolen, sondern als Netzwerk unterschiedlicher Regionen und Gemeinschaften zu verstehen.
Come, tell me how you seal. Siegelpraxis und Gesellschaft im 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und Syrien
Albert Dietz
2,-stg., Do. 16-18, Schellingstraße 12, K 427
BA Alter Orient: WP 3.2, WP 8.2
MA Altorientalistik: WP 3.1, P 7.2, WP 13.1
Siegel gehören zu den charakteristischsten Artefakten des Alten Orients. Doch was können sie uns über die Menschen verraten, die sie nutzten? In diesem Seminar stehen Siegel nicht primär als kunsthistorische Artefakte im Mittelpunkt, sondern als Zeugnisse sozialer Praxis. Wer siegelte wann, was und wo im 3. Jahrtausend v. Chr.? Welche Funktionen erfüllten Siegel im Alltag, und welche Rückschlüsse erlauben sie auf soziale Beziehungen, Institutionen und gesellschaftliche Strukturen?
Zur Beantwortung dieser Fragen werden Siegel und Versiegelungen aus verschiedenen Fundorten Mesopotamiens und Syriens untersucht. Im Fokus stehen ihre archäologischen Kontexte, die Analyse von Versiegelungen und ihrer Rückseiten sowie die Rekonstruktion der sozialen Netzwerke ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Auf dieser Grundlage wird das Potenzial der Siegelpraxis als Quelle für Alltag und Gesellschaft kritisch diskutiert.
Durch den diachronen Vergleich unterschiedlicher Regionen und Zeitstufen sollen schließlich Kontinuitäten und Veränderungen in der Siegelpraxis herausgearbeitet werden. Ziel des Seminars ist es, die Bedeutung von Siegeln als Medium sozialer Interaktion und als Zugang zu den Lebenswelten altorientalischer Gesellschaften besser zu verstehen.
Digitale Methoden in der Assyriologie
Enrique Jiménez
Blockseminar, Fr. 9–13, Schellingstr. 5, 307
Termine: 16.10.2026; 30.10.2026; 13.11.2026; 11.12.2026; 15.01.2027.
BA Alter Orient: P 2.2, WP 2.2, WP 7.2
MA Altorientalistik: WP 2.1, WP 3.1, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Das Blockseminar führt Studierende in die Grundlagen der Programmierung sowie in den Einsatz digitaler Werkzeuge für die assyriologische Forschung ein. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Möglichkeiten und Grenzen aktueller Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz im Umgang mit keilschriftlichen Quellen. Vorkenntnisse in der Programmierung oder Informatik werden ausdrücklich nicht vorausgesetzt. Im Laufe des Semesters wählen die Teilnehmenden einen Text oder eine Textgruppe ihrer Wahl und entwickeln, begleitet durch die Seminarsitzungen, ein eigenes Programm zur Analyse dieser Quellen.
Teilnahmevoraussetzung: Keine Vorkenntnisse in Programmierung erforderlich. Grundkenntnisse des Akkadischen oder Sumerischen empfohlen.
Übungen mit akkadischer, sumerischer und hethitischer Lektüre
Altbabylonische Texte aus Babylon (mit Lektüre akkadischer Texte)
Zsombor Földi
2-stg., Di. 12–14 Uhr, Schellingstr. 5, 307
BA Alter Orient: P 6.1-2, P 8.1-2
MA Altorientalistik: P 3.1, P 3.2, P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Die wissenschaftliche Erschließung der Keilschrifttexte aus den Ausgrabungen Robert Koldeweys in Babylon (1899–1917) gehört zu den noch immer unvollständig bewältigten Aufgaben der deutschen Assyriologie. Zwar wurden seit der Veröffentlichung des Tontafelkatalogs von Olof Pedersén (2005) bedeutende Fortschritte erzielt, doch das altbabylonische Textmaterial hat bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit gefunden.
Ziel des Kurses ist es, die Studierenden mit diesem Textkorpus vertraut zu machen – sowohl mit seiner verfügbaren Dokumentation, als auch mit den damit verbundenen Forschungsfragen, Herausforderungen und Perspektiven. Hierbei stehen nicht nur bereits publizierte Texte im Fokus, sondern auch unpublizierte oder heute gar nicht lokalisierbare Tontafeln, die lediglich durch Grabungsfotos dokumentiert sind. Inhaltlich bietet der Kurs einen Überblick über verschiedene Textgattungen: Neben Rechts- und Verwaltungsurkunden sowie Briefen werden auch Königsinschriften und literarische Texte behandelt und gelesen.
Der Kurs richtet sich an fortgeschrittene Studierende im BA- und MA-Studium
Teilnahmevoraussetzung: Gute Kenntnisse in Akkadisch und im Keilschriftlesen sind erforderlich.
Medizinische Texte aus dem alten Mesopotamien (mit Lektüre akkadischer Texte)
Enrique Jiménez
2-stg., Mo. 10–12 Uhr, Schellingstr. 5, 307
BA Alter Orient: P 6.1-2, P 8.1-2
MA Altorientalistik: P 3.1, P 3.2, P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Die medizinischen Texte des Alten Orients lassen sich in zwei große Hauptgattungen unterteilen: therapeutische Texte einerseits, die Heilmittel, Rezepturen und Behandlungsanweisungen überliefern, und diagnostisch-prognostische Texte andererseits, die die Beurteilung des Krankheitsbildes sowie die Vorhersage des Krankheitsverlaufs zum Gegenstand haben. Im Rahmen dieses Seminars werden Texte beider Gattungen in Keilschrift und Transliteration gelesen und philologisch sowie inhaltlich besprochen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die sogenannte Ninivitische Medizinische Enzyklopädie, jenes umfangreiche und systematisch angelegte Korpus, das in der Bibliothek Assurbanipals überliefert ist und die medizinische Gelehrsamkeit Mesopotamiens in ihrer wohl ausgereiftesten Form repräsentiert. Ergänzend werden ausgewählte Texte der astrologischen Medizin aus spätbabylonischer Zeit behandelt, die das Wechselverhältnis zwischen Himmelsbeobachtung, Divination und Heilkunde in eindrucksvoller Weise beleuchten.
Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Abschluss von Akkadisch I–II. Gute Kenntnisse des Akkadischen und des Keilschriftlesens sind erforderlich.
Die Amarna-Briefe (mit Lektüre akkadischer Texte)
Geraldina Rozzi
2-stg., Do. 16–18 Uhr, Schellingstr. 5, 307
BA Alter Orient: P 6.1-2, P 8.1-2
MA Altorientalistik: P 3.1, P 3.2, P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Die Amarna-Briefe sind ein zentrales Korpus altorientalischer Diplomatie des 14. Jahrhunderts v. Chr., verfasst in Keilschrift und auf Akkadisch als damaliger lingua franca. Sie wurden in Tell el-Amarna (Ägypten), der kurzlebigen Hauptstadt des Pharaos Echnaton, im sogenannten Archiv der königlichen Korrespondenz gefunden. Die Texte dokumentieren den Schriftverkehr zwischen dem ägyptischen Hof und den Herrschern des Vorderen Orients und geben Einblick in politische Beziehungen, Loyalitätsverhältnisse und diplomatische Praktiken der Spätbronzezeit.
Im Kurs werden ausgewählte Briefe in Keilschrift und Transliteration gelesen und sprachlich sowie historisch analysiert. Im Mittelpunkt stehen die Sprache der Diplomatie sowie die politischen Netzwerke des internationalen Systems dieser Zeit.
Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Abschluss von Akkadisch I–II. Gute Kenntnisse des Akkadischen sind erforderlich
Sumerische Städteklagen (mit Lektüre sumerischer Texte)
Walther Sallaberger
2-stg., Mo. 14–16, Schellingstr. 5, 307
MA Altorientalistik: P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 6.1-2, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Der Zusammenbruch des Reiches der III. Dynastie von Ur bedeutete für die Menschen in Sumer eine Katastrophe, die sie in langen sumerischen Klageliedern verarbeiteten. An erster Stelle steht hier die „Klage über Sumer und Akkade“ (auch „2. Ur-Klage“ genannt), die voll historischer Hinweise auf Ibbi-Suen oder Elam ist und zudem die einzelnen Orte und Heiligtümer Babyloniens behandelt. Im Bild der Zerstörung wird eindrücklich das Ende des normalen Lebens geschildert, wie es vergleichbar in anderen poetischen Texten, insbesondere den rituellen Klagen, belegt ist. Daneben werden wir einige Sitzungen auch zwei anderen Klagen widmen, nämlich der thematisch durchaus vergleichbaren „(1.) Ur-Klage“ sowie der ganz anders gestalteten „Nippur-Klage,“ die in den Wiederaufbau der Stadt durch Išme-Dagān von Isin mündet.
Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Abschluss von Sumerisch I-II
Divinatorische Texte der Hethiter (mit Lektüre hethitischer Texte)
Birgit Christiansen, Jared Miller
2-stg., Mo. 16-18, der Kurs findet im auf Zoom statt.
MA Altorientalistik: P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 7.1-2, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Wie in anderen Kulturen des Altertums kam der Divination im hethitischen Reich eine zentrale Rolle zu. Dies spiegelt sich sowohl in der großen Zahl als auch im Charakter der divinatorischen Texte wider, die in der hethitischen Hauptstadt Hattusa und in einigen Provinzzentren gefunden wurden. Mit ca. 1700 meist fragmentarischen Tontafeln bildet das Corpus die drittgrößte Gruppe innerhalb des hethitischen Schrifttums. Die Texte dokumentieren eine Vielzahl verschiedener Divinationspraktiken und religiöser Vorstellungen, von denen einige anatolischen Ursprungs sind, während andere aus Nachbarregionen übernommen wurden. Historisch einzigartig ist v. a. die große Zahl und der Inhalt der Orakelprotokolle. Da sie häufig Fehlverhalten und Konflikte zur Sprache bringen, die in anderen Texten unerwähnt bleiben oder beschönigt werden, sind sie eine wichtige Quelle für die historische Forschung und das Verständnis der religiösen und moralischen Vorstellungen der Hethiter. Allerdings sind viele Texte aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustands, ihres protokollartigen Stils und ihrer für uns teilweise unklaren Terminologie schwer verständlich.
Die Lehrveranstaltung soll anhand der Lektüre ausgewählter Texte und Textpassagen einen Einblick in diese wichtige Textgattung geben und die Studierenden zur eigenständigen Lektüre der Texte anleiten. Außerdem soll anhand von Sekundärliteratur und Diskussionen im Unterricht das Potenzial der Texte für die historische und religionsgeschichtliche Forschung erörtert werden.
Teilnahmevoraussetzung: Gute Hethitischkenntnisse, erfolgreicher Abschluss von Hethitisch I–II.
Literatur:
- Beal, Richard 2002, Hittite Oracles. In: L. Ciraolo – J. Seidel (Hgs.) Magic and Divination in the Ancient World (Magic and Divination 2), 57–81.
- Haas, Volkert 2008. Hethitische Orakel, Vorzeichen und Abwehrstrategien: Ein Beitrag zur hethitischen Kulturgeschichte. Berlin.
- Hout, Theo van den 2003a, Omina (Omens) B. Bei den Hethitern, RlA 10, 88–90.
- Hout, Theo van den 2003b, Orakel (Oracle) B. Bei den Hethitern, RlA 10, 118–124.
- Schwemer, Daniel 2002: Leberschau, Losorakel, Vogelflug und Traumgesicht. Formen und Funktionen der Vorzeichendeutung. In: Die Hethiter und ihr Reich. Das Volk der tausend Götter, Ausstellungskatalog Kunsthalle Bonn, 140–145.
Hethitische Märchen (mit Lektüre hethitischer Texte)
Birgit Christiansen, Jared Miller
2-stg., Di. 10-12, Schellingstr. 5, 307
MA Altorientalistik: P 4.1, P 4.2, P 7.1, P 7.2, WP 2.1, WP 3.1, WP 7.1-2, WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Zu den kleinsten Korpora aus Ḫattusa/Boğazköy gehören die Märchen. Diese umfassen nur drei Kompositionen: (1) das Märchen von Appu und seinen beiden Söhnen Schlecht und Gerecht; (2) das Märchen vom Sonnengott, der Kuh und dem Fischer; und (3) das Märchen vom Jäger Kešši und seiner schönen Frau. Während Letzteres in hethitischen, hurritischen und (aus Amarna in Ägypten stammenden) akkadischen Fassungen bekannt ist, liegen die ersten beiden nur in hethitischer Überlieferung vor. V. a. die letzten beiden sind nur sehr bruchstückhaft erhalten. In dieser Übung werden wir ausgewählte Abschnitte aus den letzten beiden Märchen lesen und besprechen. Der Schwerpunkt wird auf dem Märchen von Appu und seinen beiden Söhnen liegen, auch weil ein neuer im Vorderasiatischen Museum befindlicher Textvertreter jüngst veröffentlicht wurde, der unser Verständnis dieses Textes bedeutend erweitert und vertieft und gleichzeitig hochinteressante Vergleiche mit Märchen und Mythen des Alten Orients sowie des Alten Testaments bietet. Die Studierenden werden regelmäßig Umschriften, Übersetzungen und Kommentare vorbereiten und vorstellen.
Teilnahmevoraussetzung: Erfolgreicher Abschluss von Hethitisch I–II.
Literatur:
- A. Bauer et al., Das Märchen von Appu und seinen Söhnen – Erste Tafel (CTH 360.1), Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Neue Folge 8, 2015, 170–173.
- V. Haas, Die hethitische Literatur, 2006, 193–211.
- J. Siegelová, Appu-Märchen und Ḫedammu-Mythus, StBoT 14, 1971, 1–34.
Keilschriftwerkstatt. Auf dem Weg zur perfekten Edition
Enrique Jiménez, Walther Sallaberger
2-stg., Di. 16–18, Schellingstr. 5, 307
MA Altorientalistik: WP 9.1, WP 10.1, WP 12.1, WP 13.1
Das Seminar bietet allen, die mit einer wissenschaftlichen Arbeit zu sumerischen oder akkadischen Quellen befasst sind oder eine solche Arbeit planen oder vorbereiten, die Möglichkeit, Texte aus ihrer Arbeit oder ihres Interesses in einem größeren Kreis vorzustellen und zu besprechen. Im offenen wissenschaftlichen Gespräch soll hier insbesondere auch die philologische Interpretation von Texten behandelt werden, die die Grundlage jeder wissenschaftlichen Diskussion bildet.
Die gemeinsame Lektüre soll umgekehrt allen Beteiligten auch helfen, unterschiedliche Quellen kennenzulernen und so das eigene Spektrum zu erweitern.
Teilnahmevoraussetzung: Erfahrungen in sumerischer und akkadischer Philologie (aufgrund einschlägiger Lektürekurse, BA-Arbeit usw.).