Assyriologie und Hethitologie
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Das elamische Archiv aus Goshtaspi. Staatliche Verwaltung der Landwirtschaft um 1100 v.Chr.

Im Jahre 2009 tauchten im Dorf Goshtaspi (Provinz Kohgiluyeh va Boyer-Ahmad, Iran) etwa vierzig mit Keilschrift beschriebene Tontafeln auf. Azam Rayat identifizierte sie in ihrer Münchner Masterarbeit 2016 als Dokumente in elamischer Sprache, die in die mittelelamische Zeit um 1100 v.Chr. datieren. Elamisch war die Sprache des Reiches, das sich damals vom Tiefland Khuzestan bis zum Hochland von Fars erstreckte. Doch dazwischen, im Bakhtiari-Gebirge im Gebiet der "Persischen Pforte" hatte man eigentlich nicht mit Schriftdokumenten gerechnet. Es handelt sich um die Reste eines Archivs über die Verwaltung von Gerste und von Vieh sowie mit Briefen. Briefe weisen auf einen Knotenpunkt in der innerstaatlichen Kommunikation hin. Dass in Elam aber Schaf- und Rinderherden ebenso wie der Getreideanbau direkt in einer staatlichen Organisation erfolgten, hatte man in der Forschung bisher nicht erwogen, vermutet man doch allgemein, dass die Viehzucht im Bergland in den Händen kleinererer nomadischer Gruppen lag. Doch laut einer der neuen Tontafeln (siehe Abbildung) erfasste man administrativ über 700 Rinder, die in verschiedenen Herden in einem größeren Einzugsgebiet gehalten wurden. Das in den Urkunden sichtbare Management der Landwirtschaft stellte eine signifikante Risikobewältigungsstrategie dar, konnte man doch so Verluste und Ausfälle von einzelnen Viehzüchtern oder Getreidebauern leichter ausgleichen. Mit dem Neufund der Tontafeln von Goshtaspi erweist sich die staatliche Verwaltung auf einmal als ein relevanter Faktor für das Iranische Hochland im ausgehenden zweiten Jahrtausend v.Chr. Das hatte man so nicht erwartet, doch in der Erforschung alter Kulturen können Zufallsfunde oft zu neuen Einsichten führen.

Im Projekt sollen alle Tontafeln entziffert und so weit wie möglich übersetzt werden, um so zu einer historischen Einordnung zu gelangen.

Der erste Schritt im Goshtaspi-Projekt galt allerdings den Tontafeln als Objekten kulturellen Erbes. Unter der Leitung der deutschen Restauratorin Carmen Gütschow arbeiteten zwei iranische Restauratoren und die Mitarbeiterin im Februar 2020 unter hervorragenden Bedingungen im Museum Yasudsch, um die Tontafeln zu reinigen und zu konservieren. Auch für eine sachgemäße Lagerung dieser wichtigen Dokumente soll gesorgt werden.

DFG-Projekt 424129577 im DFG Schwerpunktprogramm „Das iranische Hochland: Resilienzen und Integration in vormodernen Gesellschaften", Koordinator Prof. Dr. Thomas Stöllner (Ruhr-Universität Bochum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum)
Projektlaufzeit: 01.02.2020 bis 31.01.2023

Projektleiter und wissenschaftliche Mitarbeiterin

Iranische Kooperationspartner

  • Dr. Majid Safaee, Direktor des ICHTO der Provinz Kohgiluye va Boyer-Ahmad
  • Koorosh Shafiee, Direktor des Museums Yasudsch
  • Prof. Dr. Kamyar Abdi, Shahid Beheshti University, Teheran; Visiting Professor
  • Mohammadtaqi Atayi, LMU, Archäologe
  • Norooz Rajabi MA, Organisation

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