Assyriologie und Hethitologie
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Reading the Library of Ashurbanipal

Im Projekt „Eine Lesung der Bibliothek Assurbanipals“ wird die wichtigste Textsammlung aus dem alten Orient anhand einer Reihe von ineinandergreifenden Fallstudien interpretiert werden. Die 31.000 Tafeln und Fragmente, die in den Ruinen von Ninive, der Hauptstadt des Königs Assurbanipal (668–631 v. Chr.), gefunden wurden und heute im British Museum aufbewahrt sind, sind für das Studium der mesopotamischen Zivilisation von zentraler Bedeutung. Die schiere Größe und Komplexität des Korpus, zusammen mit den durch die Mängel der primitiven Ausgrabungstechniken und museologischen Praxen hervorgerufenen Unsicherheiten, haben jedoch unser Verständnis dessen, was diese Textsammlung tatsächlich darstellt, behindert. Man kann bestimmte Texte oder Textgruppen innerhalb der „Bibliothek“ zwar problemlos verstehen, aber über die „Bibliothek“ selbst weiß man sehr wenig. „Eine Lesung der Bibliothek Assurbanipals“ hat folgende Schlüsselfrage zum Gegenstand: „Was ist ‚die Bibliothek Assurbanipals‘“? Das Projekt wird sich dieser Frage über die Bearbeitung von drei untergeordneten Forschungszielen nähern, wobei jeweils paratextuelle Informationen genutzt werden, um einen bedeutenden Teil des Korpus zu erklären. Für das erste Ziel („Interpretation der Kolophontypen“) werden systematisch die an Bibliothekstafeln angefügten Schreibnotizen analysiert. Es wird eine neue Taxonomie der Schreibnotizen erstellt und die Beziehung dieser Notizen zu den auf den Tafeln enthaltenen Texten untersucht. Für das zweite Ziel („Literatur in den Zugangsnachweisen der Bibliothek“) werden die in Ninive entdeckten Tafeln mit denjenigen in Beziehung gesetzt, die in den Zugangsnachweisen der Bibliothek erwähnt wurden. Hiermit werden wichtige Informationen zum Umfang der Sammlung sowie zur Funktion der Bibliothek eingeholt. Gegenstand des dritten Ziels („Tafeln nach Ninive“) sind die in den Texten enthaltenen Informationen über die Herkunft der Vorlage, von denen eine Tafel kopiert wurden. Ziel dieser Forschung ist es, zum einen die Wege aufzuzeigen, auf denen wissenschaftliche Kenntnisse nach Ninive gelangten, und zum anderen darzustellen, welche Bedeutung und welche Form jeweils die assyrischen und die babylonischen Beiträge zu diesem Wissenserwerb hatten.

Das Projekt „Eine Lesung der Bibliothek Assurbanipals“ ermöglicht zum ersten Mal eine Analyse der „Bibliothek“ auf der Grundlage detaillierter, systematischer und gründlicher Untersuchungen der Textzeugen. Es baut auf langjähriger Vorarbeit auf und setzt digitale Technologien ein, um die ansonsten unüberschaubare Masse des Materials zu bewältigen. Das Projekt stützt sich auf eine Reihe sorgfältig aufgebauter Studien, um Aspekte der „Bibliothek“ zu erforschen, die noch nie Gegenstand einer Untersuchung waren. Es profitiert von der hervorragenden Kenntnis ihrer Sammlung, welche die Mitarbeiter des BM einbringen werden, und von den an der LMU München jüngst entwickelten digitalen Methoden zur Untersuchung von Keilschrifttafeln.

AHRC-DFG Programm
Förderlaufzeit: 2020 bis 2023

Projektleiter

Projektmitarbeiter*innen

  • Sophie Cohen (LMU)
  • Ekaterine Gogokhia (LMU)
  • Babette Schnitzlein (British Museum)

Servicebereich